Rechnungslegung und Berichterstattung

Die internationale Rechnungslegung vor zukunftsweisenden Neuerungen

Die grundlegende Überarbeitung der International Financial Reporting Standards (IFRS) soll demnächst abgeschlossen werden. Danach wird sich zeigen, ob grosse Kapitalmärkte (USA, China, Indien) IFRS als Standard übernehmen werden. Zudem wird das 2011 neu bestellte Leitungsgremium des IASB als erstes grosses Geschäft die künftige strategische Ausrichtung sowie den Arbeitsplan für die Jahre 2012 bis 2015 festlegen.

2001 beschloss das International Accounting Standard Board (IASB), sein Regelwerk grundlegend zu überprüfen. Dieses sollte den veränderten Anforderungen in einem globalen Kapitalmarkt gerecht werden. Ein Kernelement der Überarbeitung ist es, IFRS mit der amerikanischen Rechnungslegung (US GAAP) so weit als möglich abzugleichen (sog. Konvergenz-Projekt). Das Vorhaben befindet sich auf der Zielgeraden. Der IASB ist aber nach wie vor stark gefordert. Während sich die Überarbeitung der noch offenen Bereiche „Leasing“ und „Revenue Recognition“ dem Ende nähert, muss das IASB bezüglich „Financial Instruments“ noch hohe Hürden nehmen. Es zeichnet sich hier kein Konsens mit dem amerikanischen Gegenpart, dem Financial Accounting Standards Board (FASB), ab. Es ist deshalb sehr ungewiss, ob die IFRS-Reform noch dieses Jahr abgeschlossen werden kann.

Die bestehenden Unsicherheiten wirken sich auch auf den Entscheid der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) aus, ob und vor allem wie IFRS in die amerikanische Kapitalmarktregulierung übernommen werden soll. Es ist denkbar, dass die US-Börsenaufsicht sich nicht (wie ursprünglich vorgesehen) noch in diesem Jahr für eine unmittelbare und vollständige Übernahme von IFRS entscheiden wird. Allenfalls wird sie die Übernahme gestaffelt und über einen deutlich längeren Zeithorizont (gegen 10 Jahre) vollziehen. Dies scheint sich unmittelbar auf die Strategien anderer Börsenmärkte, insbesondere diejenigen in Asien, auszuwirken. So haben China und Japan aufgrund dieser Entwicklungen ihre Pläne zur Übernahme von IFRS vorerst zeitlich zurückgestellt.
 

Bedeutender Wechsel im Führungsgremium der IFRS-Stiftung

Ein ganzes Jahrzehnt lang stand Sir David Tweedie dem IASB vor, des obersten Gremiums der IFRS-Stiftung. Er prägte die IFRS. Am 1. Juli dieses Jahres übernahm der Holländer Hans Hoogervorst den Vorsitz. Er war zuvor Leiter der niederländischen Finanzmarktaufsicht. Als Stellvertreter wurde der Australier Ian Mackintosh, bisheriger Vorsitzender des britischen Standardsetzers Accounting Standards Board, berufen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Hans Hoogervorst als eine politisch geprägte und sehr erfahrene Persönlichkeit vor allem die Aussenbeziehungen pflegen wird und dass sich sein Stellvertreter Ian Mackintosh um das Tagesgeschäft von IFRS kümmern wird. Es wird mit Spannung erwartet, ob das IASB in seiner neuen Zusammensetzung den eingeschlagenen Weg weiterführen oder die bisherige Ausrichtung grundsätzlich überdenken wird.
 

Arbeitsprogramm für die kommenden 4 Jahre als erste zentrale Amtshandlung

Im Juli 2011 lud das IASB in einem Schreiben die Interessengruppen ein, sich zur strategischen Ausrichtung seines Arbeitsplans 2012-2015 zu äussern. Die Stellungnahmen sollen den IASB bei der Festlegung seiner Prioritäten bezüglich IFRS-Projekte und genereller strategischer Ausrichtung für die kommende Vierjahresperiode unterstützen. Aus Emittenten-Sicht ist es wichtig, dass das bestehende Regelwerk mittelfristig materiell nicht ausgebaut wird. Die Unternehmen brauchen Zeit, um die aus der jetzigen IFRS-Reform resultierenden weitreichenden Änderungen in ihre Systeme und Abläufe zu integrieren. Zudem ist es aus ihrer Sicht wichtig, dass zuerst die Praxistauglichkeit der neuen Regelungen überprüft wird, bevor eine weitere Überarbeitung der Standards ins Auge gefasst wird.

Beklagt wird seit Jahren, dass die Standards zu kompliziert, zum Teil zu theoretisch und vor allem wirklichkeitsfremd sind. Ob es dem IASB unter der neuen Führung gelingen wird, aus dem Elfenbeinturm auszusteigen, bleibt abzuwarten.